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Viagra fürs Hirn

Es gibt mehr Ding´ in Himmel und auf Erden, als eure Schulweisheit sich träumt, Horatio.

William Shakespeare

Hirndoping muss aus der Schmuddelecke geholt und endlich mit Blick auf seine segensreichen Möglichkeiten diskutiert werden. Diesem gestern veröffentlichten Votum der Expertengruppe “Das optimierte Gehirn” im Auftrag des Bundesforschungsministeriums schließt “Schon komisch” sich energisch an. Viel zu lange haben Bedenkenträger die “Verbesserung von Hirnleistung und Psyche” (Zitat aus dem Bericht) durch Psychopharmaka schlechtgeredet. Dabei sollten gerade gesunde Menschen mehr Antidepressiva und Neuro-Enhancer einnehmen: Sie steigern die geistige Spannkraft und verschönern das Leben. Die positive Wirkung ist noch nicht nachgewiesen, aber das war bei Vitaminen, Viagra und Botox auch lange so und darf kein Vorwand sein, noch länger zu warten. Der Standort Deutschland leidet unter einer Vielzahl suboptimaler Hirne. Jeder, dessen Frontallappen noch nicht die volle Leistung bringt, sollte sich jetzt optimal einstellen lassen. Aber auch die Politik ist gefragt: Statt einer miesepetrigen Drogenbeauftragten brauchen wir viele glückliche Hirndoping-Trainer.

Obiges war am 14. Oktober im Handelsblatt zu lesen. Autor:  Thomas Hanke. [1]

Hankes Kommentar und andere nach und vor ihm  (FAZ, Welt, Financial Times, Neue Zürcher Zeitung, Telepolis, Spiegel, Zeit usf.) nehmen Bezug auf ein „Memorandum sieben führender Experten” aus verschiedenen  Fachrichtungen, die  zur Verwendung von „Neuroenhancern” wie Ritalin Stellung nehmen.[2] Veröffentlicht in der Zeitschrift Gehirn & Geist (11/2009), in der  wiederum „führende Experten” zum Memorandum ihre Kommentare zum besten geben.  Diskutiert wird darüber schon lange.[3] Wir haben in früheren Blogs auch schon dazu Stellung genommen.

Gehirndoping. Klingt gut. Macht es Sinn? Ja und Nein. Die Gehirndoper sind überwiegend gesunde Menschen. Sie leiden unter Stress. Sie stehen unter Erfolgsdruck. Sie wollen mehr leisten. Sie versuchen daher ihr Gehirn hochzufahren, in der Hoffnung, mehr aus ihm herauszuholen, als ihre  Natur, gestresst, hergibt.

Meistens verdienen sie auch schon als normale Menschen mehr Geld als die meisten von uns  oder hoffen dies demnächst zu tun. Es geht also auch um Karrieredoping. Wer nicht mitmacht, wird ausgedopt, verdrängt,  Nebenwirkungen interessieren nicht oder werden in Kauf genommen. Die Forscher weisen darauf hin, das Übliche: Wir wissen zu wenig, wir müssen mehr forschen, gebt uns mehr Geld dafür, und so fort. Money talks.

Wo sehen wir Probleme?  Wer so handelt, sich Medikamente für die Steigerung seiner Gehirnleistung verschreiben läßt, kümmert sich wenig um seinen Körper, seine Gefühle, seinen Geist. Er will nach oben, besser werden usw. Die Folgen lädt er auf seinen Körper ab. Irgendwann, in der Zukunft, schlägt dieser,  hochwahrscheinlich,  zurück. Über Nebenwirkungen wird seit Jahren berichtet.

Wer zahlt?  Viele: Wenn das Doping funktioniert, derjenige, der nicht dopt. Er wird ausgedopt. Die Krankenkasse. Die Versichertengemeinschaft. Wenn die Nebenwirkungen zuschlagen, wird die Rechnung hoch sein. Wir alle zahlen. Wir leben in einer Solidargemeinschaft. Wenn die, welche dopen, auch mehr leisten, haben wir auch Vorteile davon: mehr Wissen, bessere Produkte, mehr Steuereinnahmen. Auch für  die Pharmaunternehmen ein Supergeschäft. Die Herstellung kostet fast nichts. Auch Ärzte haben wohl nichts dagegen.

Was wäre eine Alternative? Besser mit  Streß  fertig werden, wirksamer lernen und arbeiten. Sich im Beruf nicht alles bieten lassen.  Das verlangt aber viel mehr als eine Tablette schlucken.

Für uns als  adaptogene  Blogger liegt die Alternative ohnehin auf der Hand. Adaptogene sind Stressbezwinger. Auch bei Gehirnstreß.  Ginseng, Rhodiola rosea und ihre Freunde  fördern Konzentration, helfen bei Müdigkeit, Schlafproblemen, unterstützen Lernen. Ohne Nebenwirkung,  billig, wissenschaftlich durchgetestet, sogar die  chinesischen Kaiser waren  am Test beteiligt. Ihren oft frühen Tod haben sie der Ausbeutung ihrer Konkubinen - Sex  bis ins Grab - und den Intrigen  ihrer Eunuchen zu verdanken.

Was auffällt, kein Kommentar, kein einziger, weist auf adaptogene Alternativen hin. Alles Mögliche wird diskutiert. Von der Natur bereitgestellte Alternativen gibt es nicht. Fast nicht. Ein Kommentator, der es  wissen könnte: „Auf lange Sicht dürfte es daher klüger sein, weiterhin auf die klassischen und natürlich nachwachsenden Rohstoff-Enhancer zu setzen: Fair gehandelter Kaffee oder Tee”. [4]

Kein Vorwurf an die, welche ihr Gehirn dopen. Sie wissen es nicht. Unwissenheit macht schutzlos und alternativlos. Die Medien könnten es wissen. Die Akteure im Gesundheitssystem ohnehin. Die konventionelle Medizin kennt Adaptogene nicht. Bei Schweizer Medizinstudenten gilt Ritalin  als beliebtes Aufputschmittel bei der Prüfungsvorbereitung. [5]

Die Adaptogenforscher Panossian und Wikman, die am Swedish Herbal Institute of Research and Development Forschung machen, untersuchten vor kurzem die Wirkung von  Rhodiola, Schisandra und Eleutherococcus im Hinblick auf geistige Leistungssteigerung, Aufmerksamkeit, Müdigkeit, Wirkung gegen Stress, also Dinge, welche  - vielleicht - auch die Konsumenten von Neuroenhancern erwarten. Ihre auch der  früheren  Forschung bereits bekannten Ergebnisse: „Sie erzeugen Widerstand gegen Streß, eine verbesserte geistige und physische Leistung und möglicherweise erhöhte Langlebigkeit.” [6]


[1] Obiges war am 14. Oktober im Handelsblatt zu lesen. Autor Thomas Hanke.Handelsblatt, 14. Oktober 2009, S. 6.

[2] Gehirn und Geist. Das optimierte Gehirn.

[3] Wir empfehlen: Erich Schmidt, Tour de France im Klassenzimmer,  Neue Zürcher Zeitung, 23. Januar 2008.

[4] Jörg Auf dem Hövel, Was ist pharmakologisches Enhancement? Telepolis.

[5] Erich Schmidt, Tour de France im Klassenzimmer.

[6] A. Panossian & G. Wikman, Evidence-based efficacy of adaptogens in fatigue, and molecular mechanisms related to their stress-protective activity, Curr Clin Pharmacol. September 2009, S. 198-219.

4 Kommentare

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    An sich ne gute Sache, ich frag mich nur, ob das auch dauerhaft brauchbar bleibt.

  4. Waldemar Roulette Says:

    Super Artikel, jetzt muss ich nur noch jemanden finden der Ahnung davon hat und mir das ganze nochmal im Detail erklaren kann.



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