Gedächtnisverlust - was tun?

Eingetragen von Teepower in Allgemeines.

18. Juli 2009

Irgendwann erwischt es fast jeden - die Gehirnleistung geht zurück, das Gedächtnis spielt immer weniger mit. Alzheimer und andere  machen sich breit. Sogenannte Altersverwirrtheit breitet sich rasend aus.  Das Altern des Gehirns beginnt  um die 30. Mit 50 ist schon viel passiert.

Bis wir Medikamente haben,  die halbwegs ohne Nebenwirkungen arbeiten, dauert es noch lange. Zudem ist kaum bekannt, woher das Übel kommt. Ein  gerade erschienener  wissenschaftlicher  Beitrag macht mit der Aussage auf: „Die Faktoren, welche das Altern des Gehirns bestimmen, bleiben ein Geheimnis”. [1] Die Forscher liefern sich wissenschaftliche Weltkriege mit ihren Theorien.  Ignoranz und Arroganz sind alte Zwillinge im Forschungsbetrieb - verheiratet mit Vorurteil und wissenschaftlicher Blindheit.

Ein exzellenter Artikel  von Anne Underwood erschien kürzlich in der New York Times.[2] Viele gute Argumente, aber auch Zitate von Wissenschaftlern, die obige Aussage widerspiegeln. Ginkgo wird erneut schlecht gemacht.

Wenige Tage später berichtet Nicolo von Lutterotti in der Frankfurter Allgemeinenvom Schicksal jener Menschen, die im Traum wild um sich schlagen und dadurch ihr Gehirn Schaden zufügen[3] - was unser Eingangszitat bestätigt. Die Autorin fragt: „Gibt es überhaupt Mittel und Wege, neurogenerative Krankheiten abzuwenden?”  Eine „nachweisliche Schutzwirkung” besitzt „körperliche Aktivität aber auch der Verzehr bestimmter Lebensmittel”. Welche? Zudem ist das Vorsichtsprinzip immer zu beachten: „Ob diese mehrheitlich in Tierversuchen gewonnenen Erkenntnisse auch für den Menschen zutreffen, muss in künftigen Studien noch geklärt werden”. Also besser abwarten bis die Wissenschaft Beweise auf den Tisch legt? Ganz so schlimm ist es nicht, vor allem wenn man Dinge tut, die ohnehin die Gesundheit fördern und auch jenseits von Tierversuchen am Menschen positiv getestet wurden.

Was kann also jeder tun? Münchhausen hat es vorgemacht. Sich aus eigener Kraft aus dem Sumpf der Gehirnalterung  ziehen. Wer auf die Pille wartet, verschenkt sein Gehirn. Was wir vorschlagen, hilft auch bei anderen chronischen Krankheiten (Diabetes, Arthritis, Herz-Kreislauf).   Es ist kein leichter Weg, aber  gangbar.

-         Bewegung. Gehen ist gut, Jogging ist besser. Wir würden Walking vorziehen, kombiniert mit Schwimmen. Muskeltraining kommt dazu (Fitneßbänder sind gut geeignet und kosten wenig).

-         Optimale Ernährung, ähnlich der Mittelmeerdiät (Früchte, Gemüse, Eiweiß durch Fisch; 1 Glas Rotwein; mehr in unseren Rezeptvorschlägen)

-         Gewichtsverringerung durch Kalorienreduktion: Wenig aber gehaltvoll essen.  Dies ist am schwierigsten zu machen. Wir kennen Leute, über 90, die es täglich tun. Sie sind super drauf.

-         Nahrungsergänzungsmittel, insbesondere aus Pflanzen mit wissenschaftlich nachgewiesenen Wirkungen. Adaptogene nennen wir  aus bekannten Gründen nicht. Beispiele: Fischöl, Vitamin B12, Vitamin D, Curcumin. Es gibt mehr.

-         Geistige Aktivitäten und Herausforderungen, welche das Gehirn auf Trab halten.  Fernsehen runter fahren.

Zu jedem dieser Punkte gibt es  mehr als genug  belastbare Erkenntnisse.

Wer 1-5 schafft, kann sein Gehirn relativ jung halten, wer Gedächtnisprobleme hat, dem hilft es.


[1] Noga Ron-Harel & Michal Schwarz, Immune senescence and brain aging: can rejuvenation of immunity reverse memory loss? Trends in Neurosciences,  Juni 2009.  Ein Superartikel, leider nicht einfach zu lesen. Deckt auch vieles ab, was Teepower betrifft. Wer ihn  lesen will: bitte Mail schreiben. Wir senden den Artikel per Mail.

[2] Anne Underwood, Can memory loss be prevented? The New York Times, 11. Juni 2009.

[3] 17. Juni 2009, S. N 1: „Mit  den wilden Träumen leidet das Gehirn”.

Kommentare (2) Jun 19 2009 08:06:14

Gehirnjogging

Eingetragen von Teepower in Allgemeines.

Viele von uns kennen Nintendo, einige spielen auch damit. Ginkgo ist auch vielen bekannt. Das Spielen und die Arznei gelten vielen als Mittel gegen etwas, was man Altern des Gehirns nennt. Demenz gilt zwar als  Krankheit des alten Menschen. Das geistige Altern setzt jedoch bereits mit 27 Jahren ein [1] -    wenn man nichts dagegen tut. Dazu ist es niemals zu spät.  Sogar  Alters- und Pflegeheime fangen an, Nintendospiele einzusetzen.

Taugt alles nichts, heißt es nun.

Als ein  „Geschäft mit der Angst” umschreibt   Spiegel Online, was Hersteller  mit „Pillen, Nahrungsergänzungsmitteln und Hirnjogging-Programmen”   so alles betreiben.[2] Das Ärzteblatt berichtet gleichfalls.[3] Der Artikel stützt sich auf Aussagen von „dreißig namhaften Kognitions- und Neurowissenschaftlern sowie Altersforscher”, die in einer gemeinsamen Erklärung  den Nutzen von Hirnjogging-Produkten  als „fraglich” bezeichnen: [4] Keine wissenschaftliche Grundlage.

Wir haben uns den Link zur  Erklärung vom „Max-Planck-Institut für Bildungsforschung” besorgt, um selbst nachzulesen, was die Forscher meinen, über welche Argumente sie verfügen. Nehmen wir Ginkgo. Die Forschung berichtet höchst Widersprüchliches. Es gibt Dutzende von Artikeln, die Positives berichten. Einer ist hier nachlesbar.[5] Viele Forscher berichten aber auch von fragwürdigem Nutzen.  Vielleicht bringt Ginkgo  etwas, vielleicht nicht. Da die Forschung nichts Besseres bereit hält: Kann man Menschen, uns,  ausreden, sich in Abstinenz zu üben bis die Wissenschaft auf die Sprünge kommt. Für Spiele  gilt das Gleiche. Bis es soweit ist, könnte die Zahl der Demenzkranken in Deutschland auf zwei Millionen angewachsen sein.

Zudem ist bekannt, daß auch „Scheinmedikamente” (Placebos)  helfen können.  Wir wissen, daß Placebos  oftmals wirken,  obwohl sie nach herrschender wissenschaftlicher Auffassung gar nicht wirken dürfen.

Die Apothekerzeitung schaltet Anzeige über Anzeige, in denen zu Ginkgo das Gegenteil dessen behauptet wird, was die Forscher berichten. Natürlich wollen alle verdienen. Auch die Wissenschaft braucht Geld.

Die Zeitschrift der Reformhäuser berichtet:

Hilft Ginkgo gegen Demenz? Ein Extrakt aus Ginkgo biloba scheint günstige Wirkungen für Demenzkranke zu haben. Auf einem Symposium in Hongkong wurde berichtet, dass durch Ginkgo Verhaltensstörungen bei Demenzpatienten
deutlich reduziert werden konnten. Eine deutsche Studie der Universität Osnabrück ergab - wie die Ärzte-Zeitung schreibt -, dass sich auch bei gesunden Menschen im mittleren Alter durch Ginkgo bestimmte Gedächtnisfunktionen verbessern lassen. Reformrundschau.

Was tun? Auf Nintendo umsteigen? Wer mit Nintendo spielt oder andere Trainingsprogramme   am Computer einsetzt: „Nur wenige dieser Programme zeigen eine positive Wirkung auf allgemeine geistige Fähigkeiten oder Leistungen in Alltagssituationen”.

„Dreißig namhafte” Forscher haben die Erklärung unterzeichnet.

Die Forscher plädieren  für mehr Forschung, um zu klären, ob Gehirnjogging, Nahrungsergänzungsmittel usw. überhaupt etwas taugen. Wenn sie sich nicht beeilen, werden die EU-Kommission und unsere Abgeordneten, die wir gerade gewählt haben, einschreiten und ohnehin alles verbieten.

Besondere Vorsicht sei „bei Produkten geboten, die versprechen, Alzheimer und andere Formen dementieller Erkrankungen vorzubeugen oder diese Krankheiten heilen zu können”. Man kann hier nur zustimmen, insbesondere wenn die Forscher jene Produkte einschließen, die ihre Kollegen in Wissenschaft und Pharmaunternehmen den Demenzkranken anbieten.

Auf Adaptogene  gehen die Forscher nicht ein. Wir nehmen an, ihre Wirkungsweise auf die geistige Leistungsfähigkeit ist ihnen unbekannt. Wir nehmen es an, wir wissen es nicht.

Des gleichen widmet sich die Erklärung nicht den zahlreichen,  Problemen, die mit dem Einsatz von hochgewinnträchtigen Medikamenten für Gehirndoping und Neuroenhancement  verbunden sind.[6]

Demenz hat sich zu einer Epidemie entwickelt. Die zunehmende Lebenserwartung führt bei immer mehr Menschen zu Altersverwirrtheit. Menschen kann man nicht vorwerfen, daß sie nach Wegen suchen, um sich ihr Leben zu erleichtern. Wer Ginkgo nimmt und sich besser fühlt oder Dr. Kawashima­ spielt und sich danach mit seinem Gehirn über eine schöne Zeit freut: Wo ist das Problem?

Sieht man in die Liste der Unterzeichneten: überwiegend Psychologen. Wir danken ihnen, wenn sie uns vor Ginkgo  oder Rosmarin oder Salbei oder Melisse warnen [7] oder uns nahelegen, auf Dr. Kawashima­ solange zu warten, bis wir uns im Pflegeheim daran erfreuen.


[1] Florian Rötzer, Mit 27 Jahren beginnt das geistige Altern, Telepolis, 21. März.

[2] Gehirnjogging ist nutzlos, Spiegel Online, 5. Mai 2009.

[3] Ärzteblatt, 6. Mai 2009.

[4] Nutzen von Hirnjogging-Produkten fraglich.

[5] Peter Hansen und andere, Ist gegen Demenz kein Kraut gewachsen? Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 41/2007.

[6] Ärzteblatt, 800.000 Deutsche „dopen” sich regelmäßig für den Job, 12. Februar 2009.

[7] Siehe obigen Aufsatz  von Peter Hansen.

Kommentare (0) Jun 17 2009 09:06:01