Wie Ray Kurzweil uns gesund macht
Ray Kurzweil ist ein Mensch, mit dem wir uns noch einige Male beschäftigen werden. In den USA ist er sehr bekannt. Er ist Wissenschaftler, Erfinder, Unternehmer, Autor von Bestsellern über die Zukunft der Menschen und Computer. Er macht auch das, was wir machen: Er bietet über das Internet „Nahrungsergänzungsmittel” oder Aufbaustoffe (im Amerikanischen: supplements) an. Er ist reich und gesund und scheint mit seinem Leben zufrieden.
Er glaubt wie andere Visionäre: In 15 bis 20 Jahren ist die Wissenschaft so weit, daß sie die gesunde Lebensspanne der Menschen unaufhörlich ausweiten kann. 100 Jahre, 120 Jahre, 150 Jahre, und so weiter.
Bis es soweit ist, was macht man bis dahin? Für ihn ist es unerläßlich, so lange gesund zu bleiben, bis die Errungenschaften von Wissenschaft und Medizin für uns verfügbar sind. Man muß also heute so gesund leben, bis man in nächster Zukunft, sagen wir in 20 Jahren, medizinische Neuerungen für sich nutzen kann. Damit kann man dann wieder einige Jahre länger gesund leben. In dieser Zeit helfen uns dann erneut Innovationen aus der Medizin weiter. Und so geht es weiter.

Kurzweil im Interview (Quelle unten):
Ich erkrankte an Diabetes Typ II, als ich fünfunddreißig war. Die herkömmliche Herangehensweise machte es schlimmer. Also ging ich das Problem als Ingenieur und Wissenschaftler an. Ich sammelte Informationen und heilte so mein Diabetes durch Nahrungsergänzungsmittel und Umstellungen im Lebensstil; heute bin ich völlig symptomfrei. Damals begriff ich, dass man Gesundheitsprobleme mit der richtigen Kombination von Ideen überwinden kann. Und wenn es mit Diabetes möglich ist, dann kann man, zumindest ich, das mit jeder Krankheit tun.
Schließlich bekam ich ein weiteres Gesundheitsproblem: das sogenannte mittlere Alter, diese Beschleunigung des Alterns von Menschen um die fünfzig. Ich glaube, ich habe auch diese Herausforderung gemeistert. Bei bestimmten Alterstests kommt bei mir vierzig heraus, obwohl ich sechzig bin. Ich messe regelmäßig sechzig verschiedene Blutwerte, zudem mein Gedächtnis, die Reaktionszeit und das Tastempfinden. In fünfzehn Jahren, wenn ich chronologisch 75 Jahre alt bin, möchte ich biologisch 38 sein. Dann werden wir unsere Biochemie neu programmieren können, und später kommen die Nanobots, winzige Roboter, die wir in unseren Blutkreislauf einspeisen.
Ray Kurzweil meint es ernst. Er redet nicht nur, er handelt.
Frage: Um den Alterungsprozess zu verlangsamen, nehmen Sie 250 Nahrungsergänzungspillen pro Tag.

Morgens Nachmittags Abends
Ich bin mittlerweile auf zweihundert, durch Effizienzsteigerung. Ich nehme allerdings nicht einfach willkürlich irgendwelche Mittel, geleitet von Aberglaube oder vagen Ahnungen. Mein Programm ist sehr konservativ, auch wenn es aggressiv wirken mag. Es stehen wissenschaftliche Beweise hinter allem, was ich tue und empfehle. Wenn etwas zu Recht umstritten ist, wie menschliche Wachstumshormone, dann nehme und empfehle ich es nicht. Und mit Mitteln, über deren Wirkungen wir nicht genug wissen, experimentiere ich nicht. Außerdem führe ich, wie gesagt, regelmäßig zahlreiche Tests durch, um zu sehen, wie es mir geht. Ich mache das seit zwanzig Jahren, und es geht mir sehr gut. Mein Cholesterinspiegel, der vor fünfundzwanzig Jahren bei 2,80 lag, liegt heute bei 1,30, und ich könnte viele andere Werte aufzählen, die ideal eingestellt sind. Meine Hormonspiegel entsprechen einem Dreißig- oder Vierzigjährigen, und ich bin sechzig. Ich schlafe gut, und ich bin immer noch sehr produktiv.
Der Amerikaner ist so überzeugt von dem was er tut - 200 Aufbaumittel pro Tag! - daß er andere, uns, daran teilnehmen läßt: über seine Bücher - und seinen Shop im Internet. Besuchen wir daher Rayandterry.com . Terry Grossman ist sein Partner.
Wir finden dort so ziemlich alles, was Kurzweil als Aufbaumittel auch selbst einnimmt.
Jedes Produkt scheint wissenschaftlich belegt, sei es Vitamin B, C, D oder E oder Magnesium, oder Carnitine oder und verschiedene Kombinationen von Vitamin, Mineralien, Pflanzenextrakten und -pulver. Gegen welche Krankheiten das wirkt, ist auch dargestellt. Die Nahrungsergänzungsmittel (supplements) kann man oftmals einzeln kaufen, viele auch in Kombination mit anderen. Ein Mittel zur Stärkung des Immunsystems enthält beispielsweise 27 Wirkstoffe.
Drei Anmerkungen dazu:
(1) Als Leser und vielleicht Kunde fragen Sie sich vielleicht: Warum macht Teepower nicht so etwas wie „Ray & Terry”? Darüber informieren, wofür etwas gut ist, bei welcher Krankheit es hilft. Antwort: verboten. Die Rechtsanwälte warten, irgendwann auch der Staatsanwalt. Keine krankheitsbezogene Werbung im Internet. Auch in Deutschland wird täglich dagegen verstoßen. Aber irgendwann: Game over.
Kurzweil kann seine Produkte brutal vermarkten. In den USA auch üblich. Deutsche Anbieter versuchen nachzuziehen. Probleme siehe oben.
(2) Sieht man sich die Produkte des Sortiments genauer an, fällt auf, daß es überwiegend Standardaufbaumittel sind, meistens bio-chemischer Herkunft. Mittel aus Pflanzen gibt es auch, aber seltener. Was uns weiter auffällt: sogenannte Adaptogene fehlen fast vollständig. In einem Multipräparat (Immune Formula), welches 27 Wirkstoffe enthält, ganz wenig Ginseng (25 mg) und ein „Pilzkomplex” mit 60 mg, darunter „Relshi”, gemeint wohl Reishi. So wenig also, daß die Wirkung auf Null geht. Kurzweil und sein Partner verzichten nach unserer Meinung damit auf Produkte, deren Wirkung nicht nur wissenschaftlich gut belegt ist (worauf Kurzweil, wie wir, großen Wert legt). Er verzichtet auf eine Klasse von Wirkstoffen, deren energetische Kraft der von ihm angebotenen Präparate übertrifft. Was nicht nun nicht bedeutet, die anderen Ergänzungsmittel taugten nichts. Warum Adaptogene nicht zum Zug kommen, wissen wir nicht. Zudem es in den USA zahlreiche Anbieter gibt, die mit unglaublichem Marketinggetöse „Adaptogene”, von denen die meisten keine sind, auf den Markt werfen. Andere Produkte, wie sie „Ray & Terry” im Sortiment haben, selbstverständlich auch.
Niemand kann Ray Kurzweil den Vorwurf machen, wenn er seinen hohen Bekanntheitsgrad kommerziell nutzt. Standard in den USA.
(3) Bei der Anzahl der Wirkstoffe in den einzelnen Präparaten ist zu bedenken: Alle Pflanzen mit adaptogenen Eigenschaften enthalten eine Vielzahl von Wirkstoffen, die insgesamt das übertreffen, was Kurzweil in seinen Präparaten anbietet. Selbstverständlich enthalten adaptogene Heilpflanzen nicht alles, was Kurzweil insgesamt anbietet, aber das meiste. Nehmen wir den Pilz Reishi (für andere Adaptogene gilt Vergleichbares): Neben der großen Zahl von Polysacchariden, 15 verschiedene Spurenelemente, viele Vitamine, Germanium usf. (siehe Schulten, Ling Zhi, König der Heilpilze, 2003). Einiges findet sich auch im Shop von Kurzweil, aber nicht alles. Und leisten kann es sich ohnehin nur, wer gut verdient.
(4) Unsere vorläufige Vermutung zu Kurzweil. Er geht sehr analytisch an Gesundheit und Krankheit heran. Wenn in der Wissenschaft ein neuer Wirkstoff entdeckt wird, der für gesundes Leben etwas leistet - auch etwas für Kurzweil. Daß die Natur vor ihm Lösungen entwickelt hat, oftmals wirkungsvoller als die moderne Wissenschaft, interessiert wenig.
Dennoch müssen vor Ray Kurzweil den Hut ziehen Er leistet viel und vollbringt Gutes.
Zu bedenken bleibt auch immer, wie im Blog Gedächtnisverlust gezeigt: Gesundheit bedarf vieler unserer Anstrengungen. Das Schlucken von „supplements” hilft uns, reicht aber nicht.
Hinweise:
a) Kurzweil zum 60. Geburtstag.
b) Obige Zitate aus Interview mit Tobias Hülswitt: Werden wir ewig leben, Mister Kurzweil? Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Februar 2008.
c) Der Internetshop von Kurzweil.
d) Newsweek, I robot: One Man’s Quest to Become a Computer, Newsweek, 16. Mai 2009, berichtet ausführlich und kritisch über Leben, Werk, Wissenschaft, Vision von Kurzweil; http://www.newsweek.com/id/197812
Kurzweils Antwort auf diesen Artikel finden Sie hier.
Jul 03 2009 03:07:04